Ein neues soziales Gewissen ??

Dem Kommentar von Tissy Bruns (Tagesspiegel 25.01.2010) kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Der kritische Bürger, der betroffene Mensch und der Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes schwankt, ob er die Landespolitiker und die Bezirksverwaltungen für ahnungslos oder zynisch halten soll, wenn er diese neuesten Worthülsen zu hören bekommt wie

Solidarische Stadt, Mentoren für Familien, soziale Integration u.a. mehr.

Seit Jahren weisen Statistiken und unzählige Analysen auf die fortschreitende soziale Desintegration und Verelendung gerade in den Berliner Innenstadtbezirken hin - neben den bekannten Glitzerecken. Pressemeldungen und Hilfe in kleiner Münze haben diese langjährige Entwicklung nicht aufhalten können. Stattdessen wird neben vielen anderen sozialen Diensten jetzt eine Einrichtung des Gesundheitsamtes in Mitte ( Beratungsstelle für Risikokinder) abgebaut.Hier wurde beispielhaft präventiver Kinderschutz, Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Menschen und speziell Migrantinnen angeboten, gemeinsam mit dem Quartiersmanagement, der Volkshochschule, den Kiezmüttern und dem SOS-Kinderdorf ( siehe auch Beitrag rbb vom 16.01.2010 Eltern, unerfahren, hilflos, überfordert von Sibylle Smolka ).

Was läßt die Politiker jetzt ihr soziales Gewissen entdecken. . . es ist das schlechte Wahlergebnis der SPD in Berlin bei der letzten Bundestagswahl- die aktuellen Umfrage sind nicht besser - und die Angst davor, dieses Ergebnis könnte sich bei der nächsten Landeswahl wiederholen.

Die Eltern mit behinderten Kindern werden sich daran erinnern, daß Therapien in Kitas gestrichen werden und daß sie immer wieder um Schulhelfer betteln müssen. Jugendliche, die dann vielleicht schon Wahlbürger sind, erinnern sich an die Schließung ihr vertrauten Freizeiteinrichtung. Und eine Reihe anderer Menschen mit gutem Gedächtnis werden sich ebenfalls an die Wohltaten der letzten Jahre erinnern. - Wahltag ist Zahltag.

Eltern-Protest gegen die Einsparungen therapeutischer Fördermaßnahmen Berlin, 10. Februar 2010

Wir Eltern der Berolina-Grundschule (Filiale der Arno-Fuchs-Schule) mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung" in Berlin-Mitte sind besorgt aufgrund der Einsparungen therapeutischer Fördermaßnahmen an unserer Schule.

Wesentlicher Bestandteil des Schulkonzeptes an unserer Schule ist die Arbeit der Logopädinnen, Ergo-und Physiotherapeutinnen.

Drei von vier Therapeutinnen sind zum 01.01.2010 in den Überhang versetzt, so dass durch deren Abzug eine Personalkontinuität und das therapeutische Versorgungskonzept in Frage gestellt wird. Die Schule hat einen wesentlich höheren Mehrbedarf an Therapeuten, um das erforderliche Qualitäts-und Leistungsniveau zu erbringen.

Viele unserer Kinder haben schwere und Schwerstmehrfachbehinderungen. Für sie ist eine konsequente und umfassende therapeutische Betreuung bzw. therapieangeleiteter Unterricht notwendig. Die Therapeutinnen versorgen unsere Kinder individuell mit den nötigen Hilfsmitteln. Sie unterstützen in enger Zusammenarbeit mit Lehrern, Ärzten, Orthopädiemechanikern, Krankenkassen und uns Eltern die Entwicklung unserer Kinder. Diese Einzelförderung ist, wie in allen anderen Berliner Bezirken auch, unverzichtbarer Bestandteil des Bildungsauftrages unserer Schule und trägt wesentlich zu schulischer und gesellschaftlicher Integration unserer Kinder bei.

Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Therapeuten ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von entwicklungsorientierten Lernzielen unserer Kinder.

Bereits am 12.Juni 2009 haben sich die Elternvertretungen verschiedener Schulen des gesamten Landes Berlin mit der "Resolution gegen den Sparwahn in Pankows Sonderschulen" gegen den ersatzlosen Abzug der Therapeuten aus den Schulen gewehrt und die an den Sonderschulen falsch angebrachten Sparvorhaben des Landes Berlins abgewendet.

Nun sollen in diesem Jahr eben solche Sparmaßnahmen die Berolina-Grundschule in Berlin-Mitte treffen. Diese Einbuße würde dazu führen, dass der integrative Ansatz unserer Schule nur noch ungenügend erfüllt werden könnte und unseren Kindern ein wesentliches Element ihrer individuellen Förderung genommen würde.

Der Bezirk meint anscheinend, dass die Eltern die therapeutische Versorgung außerhalb der Schule selbst gewährleisten können, aber das ist aus vielen Gründen problematisch:

In jedem Fall wird erst durch die Schule die ausreichende Versorgung und Förderung gewährleistet.

Zu Lasten unserer Kinder mit Behinderungen werden mit diesen falsch angebrachten Sparmaßnahmen versucht die Sanierung des Bezirkshaushaltes zu betreiben.

Die Streichung wertvoller Therapeutenstellen empfinden wir als eine Bankrotterklärung der Politik an ein integratives Schulsystem.

Wir können nicht nachvollziehen wie Bildung das wichtigste Thema in unserem Land ist und gleichzeitig eine solche Maßnahme durchgeführt werden kann.

So wie im Juli 2009 werden auch wir im Februar 2010 nicht zulassen, dass unsere Kinder und Schulen wegen der augenscheinlich politischen Handlungsunfähigkeit von Bezirken und Senat an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden!

Wir Eltern fühlen uns in unseren Bemühungen, in enger Zusammenarbeit mit den Schulen eine positive Entwicklung unserer Kinder zu erreichen, vom Berliner Senat und der Bezirkspolitik im Stich gelassen.

Wir fordern auch in diesem Jahr von der Senatorin für Gesundheit auf diesem Gebiet gemeinsam mit den Bezirken konstruktive Lösungsvorschläge zu entwickeln, statt eine zeitliche Verschiebung des Problems!

Wir fordern eine individuelle und optimale Förderung für unsere Kinder - nicht mehr und nicht weniger steht unseren Kindern zu!

Wir verlangen von allen politischen Verantwortlichen im Bezirk und auf Landesebene die beabsichtigten Einsparungen der Therapiemaßnahmen an unseren Schulen unverzüglich zurückzunehmen!

Im Namen der Elternvertretung der Berolina-Schule, Berlin Mitte

Kontakt per Mail:kdriesener@gmx.de

Dr. Abel und das Therapeutenteam der Beratungsstelle für Risikokinder

Presseberichte

BILD vom 7.09.09 : Bezirk Mitte spart an behinderten Kindern!

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1. Was ist die Beratungsstelle für Risikokinder

Diese Einrichtung wurde 1972 in Wedding zur Nachsorge für Frühgeborene gegründet. Daher stammt der Name. Damals wurden hier die Säuglinge ärztlich untersucht und konnten Krankengymnastik erhalten Außerdem erhielten die Familien regelmäßige Beratungen.

In den achziger Jahren erhielten dann zusätzlich Kinder in Kitas nach medizinischer Notwendigkeit Physiotherapie und Ergotherapie. In der Beratungsstelle entstanden ElternKindGruppen für die ganz Kleinen. Die 3-5 jährigen konnten an einer psychmotorischen Gruppentherapie teilnehmen, später war auch eine logopädischen Behandlung möglich.

In den Neunzigern kamen die Angebote der Geburtsvorbereitung, der Rückbildungsgymnastik und schließlich auch die Musiktherapie dazu.

Nach 2000 entstanden schrittweise ähnliche Angebote speziell für Migrantinnen, auch mit Sprachmittlerinnen, und Gymnastikgruppen für Frauen aller Altersgruppen bis hin zur Beckenbodengymnastik. Dazu bauten wir eine enge Kooperation mit Quartiersmanagement, SOSKinderdorf und Volkshochschule auf.

Seit 2008 finden auch Therapien für Kinder der BerolinaSchule in Mitte statt.

Der alles verbindende Gedanke ist, für Kinder, Frauen und Familien ein umfassendes Angebot machen zu können. Es schließt ärztliche Untersuchungen der Kinder, notwendige Therapien und Beratung ein. Dieses Angebot soll auch Familien erreichen, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden und die eine andere Muttersprache haben. Diese Familien erhalten hier die Hilfe und Beratung, die sie in ihrer jeweiligen Lage benötigen.

berlin.de/ba-mitte/org/gesundheitsamt/risikokinder.html
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2. Sagen Sie Ihre Meinung!

Die Beratungsstelle für Risikokinder im Bezirk Mitte soll mehr als die Hälfte ihrer Stellen verlieren (Therapeuten und Ärzte).

www.berlin.de/ba-mitte/org/gesundheitsamt/risikokinder.html

Damit ist grundsätzlich ihr Konzept der vernetzten Hilfen gefährdet. Die Beratungsstelle benötigt deshalb Hilfe und Unterstützung jeder Art.

Sie können Unterschriften zur Unterstützung sammeln. Download

Sie können dem Bürgermeister und Gesundheitsstadtrat Dr. Hanke Ihre Meinung sagen. christian.hanke@ba-mitte.verwalt-berlin.de.

Sie können die Kandidaten zur Bundestagswahl für Mitte nach ihre Meinung fragen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahlkreis_Berlin-Mitte

Sie können dem Ausschuss für Gesundheit / BVV des Bezirks Mitte Ihre Meinung dazu mitteilen. Dieser Ausschuss hat sich schon mit dem Problem beschäftigt.

sylvana.tschach@ba-mitte.verwalt-berlin.de

signe.stein@grueneberlin.de

Sie können einen Leserbrief an Ihre Zeitung schreiben. Tagespiegel, Berliner Zeitung und Junge Welt haben bereits über die geplanten Stellenstreichungen berichtet.

Der Bezirk Mitte braucht weiterhin dringend Angebote der Betreuung für entwicklungsgefährdete Kinder und ihre Familien, vor allem wenn sie in Not sind.

Der Bezirk Mitte braucht dringend Angebote der gesundheitlichen Prävention, vor allem für Frauen, auch wenn sie eine andere Muttersprache sprechen oder wenn sie schon älter sind.

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3. Integration von Migranten in Berlin Wunsch und Wirklichkeit im Bezirk Mitte.

Pressemitteilung

Als Kinder- und Jugendärzte sehen wir täglich Migrantenkinder, die massiv adipös sind, sich unsicher bewegen und nicht richtig sprechen können. Nur wenn wir gesundheitliches Wissen über die Mütter und die Großmütter in die Familien transportieren, haben wir die Chance, dieser wachsenden gesundheitlichen und sozialen Belastung etwas entgegenzusetzen, stellt Dr. Thomas Abel fest, Beauftragter für den Öffentlichen Gesundheitsdienst des Berliner Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Umso unverständlicher ist es, dass der Bezirk Mitte dieses erfolgreiche Projekt jetzt einstellen will. Es handelt sich schließlich um ein Projekt, das allen integrationspolitischen und gesundheitspolitischen Forderungen entspricht, das nach langer Aufbauarbeit von der Gruppe der muslimischen Migrantinnen akzeptiert und in Anspruch genommen wird.

Abel bezieht sich darauf, dass in Berlin mit Respekt vor der religiösen und kulturellen Prägung muslimischer Migrantinnen ein Projekt für Schwangere, junge Mütter mit ihren Kindern, für Frauen aller Altersgruppen bis über 70 Jahre aufgebaut wurde, in dessen Mittelpunkt die Emanzipation von Migrantinnen, die Gesundheitsförderung mit migrantenspezifischem Schwerpunkt und die Ansprache von Migrantinnen mit begrenzten Deutschkenntnissen steht. Dazu sind ständig eine muslimische Hebamme und muttersprachliche Sprachmittlerinnen eingebunden. Dieses Projekt entstand unter ständiger Mitarbeit von Migrantinnen und mit Beteiligung von Ärztinnen und Physiotherapeutinnen am Gesundheitsamt Mitte.

Das Projekt findet in enger Kooperation mit Einrichtungen im Bezirk wie Quartiersmanagement, Volkshochschule, Moscheevereinen, den Kiezmüttern und SOS-Kinderdorf statt. Die niedergelassenen Frauenärzte, Kinderärzte und Urologen des Bezirkes sind ebenfalls beteiligt.

Abel: 'Wir fordern deshalb von Berlin und seinen Bezirken, nicht nur über gesundheitliche und soziale Gefährdungen von Migrantenfamilien zu klagen und Abhilfe zu fordern, sondern erfolgreiche Projekte anzuerkennen und am Leben zu erhalten.'

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4. Man mag es kaum glauben

Ständig wird über die Probleme der Integration von Migranten beratschlagt, gestritten, nach Ursachen für ihr Scheitern gesucht.

Wir haben uns vor 5 Jahren auf den langen mühsamen Weg des Klinkenputzens, Kontaktsuchens und Kennenlernens gemacht.

Über langsam gewachsene Bekanntschaften und schließlich Freundschaften haben wir mit Migrantinnen für Migrantinnen und ihre Familien verschiedenste Gruppenangebote für junge Frauen vor der Geburt und nach der Geburt aufgebaut. Mit der tatkräftigen Hilfe des Quartiersmanagement Pankstraße haben wir die jungen Frauen einzeln ins Gesundheitsamt Mitte begleitet.

Dort erwarteten sie neben muttersprachlichen Sprachmittlerinnen eine türkische Krankenschwester, spezialisierte Physiotherapeutinnen und eine erfahrene Ärztin, die auf alle Fragen zu Schwangerschaft und Geburt eingingen, später zu praktischen Fragen der Kinderbetreuung, des Stillens, der Ernährung und zu gesundheitlichen Besonderheiten Auskunft gaben. Es gab viele Gelegenheiten zum Austausch eigener Erfahrungen und zur Vermittlung von praktischen Tipps für den Alltag. Da gleichzeitig eine erfahrene und qualifizierte Physiotherapeutin die Kinder hütete, konnten direkt Fragen zur Entwicklung der jungen Säuglinge geklärt werden.

Gern nahmen die Mütter dann die anschließenden Angebote für ElternKindGruppen an, die als Schwerpunkte die Bewegungs- und Sprachentwicklung von Säuglingen und Kleinkindern hatten. Gymnastikgruppen für Frauen aller Altersgruppen (bis über 70 Jahre) rundeten das Angebot ab. Zuletzt haben wir eine Gruppe für Beckenbodengymnastik ins Leben gerufen, die gerade von älteren Frauen, die viele Kinder geboren und entsprechende Beschwerden haben, in Anspruch genommen wird.

Alle diese Angebote stehen konkurrenzlos im Kiez, in der Region, im Bezirk dar. Sie werden gemeinsam mit den Quartiermanagements im Bezirk, der Volkshochschule, dem SOSKinderdorf im Bezirk und in Kooperation mit den Kiezmüttern betrieben. Die türkischen und arabischen Frauen kommen zu uns über mündliche Empfehlung aus ihrer Community, über Frauenärzte, Kinderärzte und Urologen, über die verschiedensten bezirklichen Einrichtungen. Mit Hilfe von türkischen Praktikantinnen konnten wir auch in türkische Medien unsere Informationen verbreiten und unsere Angebote bekannt machen.

Diese anfangs zarte Pflanze ist unter liebevoller Pflege aller Beteiligten zu einem kräftigen, bereits Früchte tragenden Baum herangewachsen, auf den viele mit Stolz blickten. Dieser Baum war der Beweis, dass geduldige und ausdauernde Arbeit, gegenseitige Neugierde und Aufgeschlossenheit, gegenseitiger Respekt vor religiösen und kulturellen Besonderheiten einen Weg zueinander und zu körperlicher, seelischer und sozialer Gesundheit finden lassen. Dieser Baum wird jetzt mit einem Streich abgeschlagen. Der Traum ist ausgeträumt.

Das Bezirksamt Mitte hat beschlossen 10 Therapeutenstellen im Gesundheitsamt Mitte einzusparen. Stellen, die die Grundlage für dieses Projekt bildeten.

Noch im Februar 2009 hat der rbb einen Film über unsere Arbeit gedreht. So können Sie sich selbst einen Eindruck von unseren vielfältigen familienorientierten Angeboten im Kiez machen, die so wenig der herkömmlichen Vorstellung von Arbeit in 'Amtsstuben' entsprechen:

www.rbb-online.de/himmelunderde/reportagen/eltern_unerfahren.html

Windows Media / 28 Min / 93 MB Eltern unerfahren, hilflos, überfordert ein Film von Sibylle Smolka.

Wenn Sie wollen, dass dieser Traum nicht zu Ende geht, helfen Sie uns, wo Sie können.